Familiennamensforschung

Warum Familiennamen entstanden?

Nachnamen entstanden in den deutschen Landen im 12. Jahrhundert vom Südwesten beginnend bis ins 13./14. Jahrhundert auch im Nordosten. Davor reichte in den relativ kleinen Siedlungen der Vorname einer Person zur eindeutigen Identifizierung aus. Solange es nur einen „Jacob“ oder „Heinrich“ im Dorf gab, war eine weitere Unterscheidung nicht notwendig. Durch das Bevölkerungswachstum entstanden Beinamen, um bei Namenshäufungen eine eindeutige Zuordnung zu erhalten, zum Beispiel für Steuer- und Volkszählungslisten oder Landbesitzurkunden. Beinamen wie Jacob „der Schäfer“ oder Heinrich „Hans Sohn“ ergaben sich. Allerdings funktionierten diese Beinamen nur solange sich die so bezeichneten Menschen auch persönlich kannten und deshalb nur lokal begrenzt.

Nach einigen Jahren konnte der Beiname hinfällig sein, da der Schäfer jetzt Kuhhirte war. Nach einigen Jahren war die Zuordnung sowieso hinfällig, da es neue Hirten oder Schäfer gab. Auf lange Sicht taugte so der Beiname nicht. So entstanden die Nachnamen, welche lebenslang gleich bleiben, über die Generationen vererbt wurden, sowie amtlich verbindlich waren.

 

Woher stammen die Familiennamen?

In der Regel stammt der Ursprung des Nachnamens von einer Besonderheit der ersten Person dieses Namens. Diese Besonderheit musste die Person aus der Bevölkerung am Ort abheben. Man unterscheidet dabei meistens fünf verschiedene Gruppen:

Patronymische Familiennamen

Der Nachname wurde vom Vornamen des Vaters abgeleitet.

Beispiele: „Hansen“, „Peters“, „Karl“, „Georgi“ usw.

Herkunftsnamen

Der Nachname wurde bei zugezogenen Personen von ihrer Herkunft abgeleitet.

Beispiele: „Westphal“, „Bülow“, „Bielefeldt“, „Böhmer“ usw.

Wohnstättennamen

Der Nachname wurde der Wohnstätte innerhalb der Siedlung entliehen.

Beispiele: „Wiese“, „Berg“, „Waldmann“, „Kirchhoff“ usw.

Übernamen

Der Nachname wurde vom Aussehen oder einer Besonderheit der Person hergeleitet

Beispiele: „Kraushaar“, „Grootkop“, „Braun“, „Lange“ usw.

Berufsnamen

Der Nachname entstammt der Berufsbezeichnung.

Beispiele: „Müller“, „Meyer“, „Schulze“, „Rademacher“, „Borgwardt“ usw.

 

Um diesen Ursprungskern des Nachnamens herauszufinden ist es notwendig die Herkunft des Namens zu erforschen. Dazu dienen Verbreitungskarten, welche man im Internet unter: Geogen oder GenEvolu findet. Dort lassen sich absolute und relative Häufigkeiten einzelner Nachnamen im deutschsprachigen Raum ermitteln und graphisch darstellen. Wobei die relative Namensverteilung die Orte mit der höchsten Dichte des Namens bezogen auf die Gesamteinwohnerzahl angibt und damit eher zum Ursprung des Namens führt.

Nachdem man den Herkunftsort des Namens eingrenzen kann, ist die Kenntnis der Ursprungssprache (Hoch- oder Niederdeutsch, Slawisch, Polnisch oder Französisch usw.) der nächste Schlüssel zur Erschließung. Nur damit lässt sich der Wortstamm und somit die Bedeutung des Familiennamens herausfinden. Oft sind in den Namen längst vergessene Worte enthalten.

Die Wissenschaft von der Namensdeutung nennt man "Onomastik". Sie wurde in den letzten Jahren insbesondere von Professor Udolf und seinen Schülern in der Öffentlichkeit bekannt gemacht. In seinem Institut kann man auch gegen Gebühr die Analyse seines eigenen Familiennamen in Auftrag geben.