Ortsnamensforschung

Mit Ortsnamen meint man die Bezeichnung von Siedlungen. Oft stammen sie von geografischen Namen ab. Der Siedlungsname lässt sind häufig auf eine im Umkreis einmalige geografische Besonderheit des Ortes zurückführen. Aber auch natürliche Namen und Bezeichnungen wurden durch langjährigen konstanten Gebrauch zu Siedlungsnamen. Zum Beispiel durch Benennung nach dem Lokator des Ortes oder seiner Herkunft, oder der Bezeichnung seiner Bewohner. Dabei sind die Entstehungszeit und besonders die Sprache zur Entstehungszeit maßgebend für die Entschlüsselung des Namenshintergrundes.

Dazu einige Beispiele aus Mecklenburg:

Rostock (geografische Herkunft)

Entstehungszeit des Ortes um 600, altpolabische Sprache, Deutung: roz für auseinander und tok für Fluss, also der Fluss, der auseinander fließt oder sich hier gabelt (Quelle: www.wikipedia.de).

Crivitz (geografische Herkunft)

Entstehungszeit des Ortes vor 1200, altpolabische Sprache, Deutung: Krivica bedeutet krumm oder gekrümmt, also der „Ort an der Krümmung“, möglicherweise deutet dies auf die Lage der Stadt auf der Halbinsel (Seekrümmung) am Crivitzer See hin (Quelle: www.wikipedia.de).

Güstrow (natürliche Namensgebung)

Entstehungszeit des Ortes vor 1100, altpolabische Sprache, Deutung: Guščerov Eidechsenort), was sich von guščer für Eidechse ableitet (Quelle: www.wikipedia.de).

Strelitz (natürliche Namensgebung)

Entstehungszeit des Ortes vor 1300, altpolabische Sprache, Deutung: Strělci (die Schützen) als „Dienstdorf der Bogenschützen“ kurz „Bogenschützenort“ interpretiert, Neugründung in der Nähe der alten Stadt um 1731 „Neustrelitz“, heute beide Teile vereint (Quelle: www.wikipedia.de).

Gadebusch (natürliche Namensgebung)

Entstehungszeit des Ortes vor 1200, altpolabische Sprache, Deutung: Chotĕbuz bedeutet Ort des Chotĕbud (Personenname) (Quelle: www.wikipedia.de).

Bartelshagen (natürliche Namensgebung)

Entstehungszeit Beginn des 13. Jahrhunderts, niederdeutsche Sprache, Deutung: Ein Hag ist eine von einer Dornenhecke umzäunte Rodung in einem Waldgebiet. Bartel bezeichnet den deutschen Namen Bartel/Bartholomäus, welcher die Einhägung leitete. (Quelle: www.stadt-barth.de).

Ludwigslust (natürliche Namensgebung)

Umbenennung 1754 aus dem Dorf Klenow durch Weisung von Herzog Christian II. Ludwig (* 15. November 1683 in Grabow; † 30. Mai 1756 in Schwerin), ab 1763/65 Residenz der Herzöge.

Wie aus den Beispielen schon zu erkennen ist, gibt es in Mecklenburg vorwiegend Ortsnamen aus der Zeit der slawischen Besiedlung vor 1200 und Siedlungsnamen aus der Zeit der deutschen Besiedlung ab 1200. Oft wurden die slawischen Siedlungen von den deutschen Bauern übernommen, oder in deren Nähe eigener Siedlungen angelegt. Dies finden wir zum Beispiel mit Wendisch Zehna (slawische Siedlung) und Groß Zehna (deutsches Baunerndorf), heute ist Zehna als ein Ort vorhanden.

Slawische Ortsnamen erkennt man häufig (aber nicht ausschließlich)an den Endungen :-in, -ow, -au oder -itz. Ortsnamen aus der deutschen Besiedlungszeit enden in Mecklenburg oft auf –hagen.

Sprachtechnisch werden die Siedlungsnamen auf drei verschiedene Weisen gebildet:

  • einfache Namen (Simplizia): Übernahme von Worten als Namen, in Mecklenburg selten, z.B. Bergen auf Rügen
  • Zusammensetzungen (Komposita): die Namen sind aus zwei oder mehr Namen zusammengesetzt, häufig bei deutschen Ortsnamen, z.B. Lichtenhagen, Gehlsdorf, Ludwigslust, Kühlungsborn usw.
  • Ableitungen (Derivata): von einem Wort abgeleitet, häufig bei slawischen Ortsnamen, z.B. Plawe (polabischer Flurname für den Ort, wo Flößerei betrieben wurde, heute Plau), Swenze (slawisch stark bzw. heilig stehen oder auch Ort des Svent, heute Alt/Neu Schwinz) usw.

Über die genauen sprachlichen und grammatikalischen Bildungsvarianten kann man sich zum Beispiel auf der Seite Onomastik informieren.

Die Deutung der Ortsnamen ist durch das Alter und die damals gesprochene Herkunftssprache schwierig. Oft sind die Namen aus längst vergessenen oder heute ungebräuchlichen Worten gebildet. Um deren Bedeutung zu erschließen, ist die Kenntnis der alten Sprachen und deren Dialekte unumgänglich. Hilfe kann man dabei auch (kostenpflichtig) im Institut von Professor Udolph aus Leipzig finden.