Ortschronistentagung 2026 in Parchim
Fachtagung für Ortschronistinnen und -chronisten des Landkreises Ludwigslust-Parchim und der Stadt Schwerin. (Programm)
Am 12. September 2026 fand, fast schon traditionell, im Rathauskeller Parchim die Fachtagung für Ortschronistinnen und -chronisten des Landkreises Ludwigslust-Parchim und der Stadt Schwerin statt. Der Verein für mecklenburgische Familien- und Personengeschichte e. V. (MFP e.V.) war gemeinsam mit dem Heimatbund Parchim e.V. und der Stadt Parchim Mitveranstalter und mit 8 Mitgliedern vertreten. Die Tagung wurde von Dr. Reno Stutz geleitet.
Nach der Eröffnung und den Grußworten vom Geschäftsführer der Stiftung Mecklenburg Dr. Florian Ostrop und der Stadtpräsidentin Ilka Rohr wurde der Preis der Stiftung Mecklenburg für besondere Verdienste um die Bewahrung und Vermittlung mecklenburgischen Kulturerbes verliehen. Dieser ging in diesem Jahr an unsere Vereinsfreunde vom Heimatbund Parchim für ihre langjährige ehrenamtliche Tätigkeit bei der Bewahrung der Geschichte und Kultur der Stadt Parchim. Dafür auch von unserer Seite herzlichen Glückwunsch. Eine wirklich verdiente Ehrung!
Im ersten Vortrag des Tages stellte der Vorsitzende des Heimatverbands und unser Mitglied Dr. Martin Buchsteiner unter dem Titel „Wahlgeschichte auf der Karte“ den digitalen Atlas zu den Landtagswahlen in Mecklenburg-Schwerin von 1919 bis 1932 vor. Der Beitrag zeigte, wie historische Wahlergebnisse mithilfe digitaler Karten anschaulich dargestellt und für die regionalgeschichtliche Forschung erschlossen werden können. Der Atlas zeigt eindrucksvoll wie die Menschen in der Weimarer Republik mit ihrem Wahlrecht umgingen und welche Wählerwanderungen es über die Jahre gab. Der Atlas ist auf der Seite des virtuellen Mecklenburgischen Landemuseums unter https://www.landesmuseum-mv.de zu finden.
Nach einer Kaffeepause widmete sich Matthias Brandt aus Sülstorf den „Aspekten der Bildarchivierung in Ortschroniken“. Dabei ging es um die fachgerechte Sicherung, Ordnung und Nutzung historischer Fotografien – ein Thema, das für die Arbeit an Ortschroniken ebenso wichtig ist wie für die Familien- und Personengeschichte. Es wurden Programme zur Bildbearbeitung und Ideen zur Archivierung und Gestaltung von Bilddokumenten vorgestellt.
Von 11:45 bis 13:45 Uhr stand ein Besuch im Museum der Stadt Parchim auf dem Programm. In zwei Gruppen erhielten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer eine kurze Führung durch die Sonderausstellung „800 Jahre Stadtgeflüster. Eine Ausstellung zur Alltagskultur“. Die Museumsleiterin Antonia Krüger zeigte dabei nicht nur die Highlights dieser Ausstellung, sondern berichtete auch über die Entstehung des Museums in der Kulturmühle und die Dauerausstellung. Die Zeit reichte leider nur zu einem kurzen Einblick. Während die erste Gruppe von 11:45 bis 12:45 Uhr durch die Ausstellung geführt wurde, nahm die zweite Gruppe an der anschließenden Führung von 12:45 bis 13:45 Uhr teil. Für die jeweils andere Gruppe bestand parallel die Gelegenheit zu einer Mittagspause.
Am Nachmittag ging es nochmal zurück zu den Wahlen in der Weimarer Republik. Bernd Garrels aus Rostock sprach über "Die Neuwahl der Crivitzer Stadtverordnetenversammlung vom 6. März 1932". Innerhalb kürzester Zeit zerbrach damals eine funktionierende kommunale Zusammenarbeit über Parteigrenzen hinweg. Die altbewährte Kultur des Ausgleiches verschwand. Während ein Teil der Stadtverordneten in der Krisenzeit zum Ende der Weimarer Republik versuchten den alten Gemeinsinn zu bewahren, ging es anderen um die Übernahme der Macht und die Beseitigung der demokratischen Gemeindeordnung. Hier zeigte sich im Kleinen, was sich in ganz Deutschland damals abspielte.
Anschließend beschäftigte sich Wolfgang Utecht aus Rastow in seinem Vortrag „Der Wald sollte nicht schweigen“ mit der Luftwaffenmunitionsanstalt (MUNA) Pulverhof 7/XI, die von 1936 bis 1945 bestand. Der Beitrag machte auf ein bewegendes und trauriges Kapitel der deutschen Geschichte aufmerksam. Denn in der MUNA mussten Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter aus vielen Teilen Europas in der Produktion von V1-Raketen arbeiten. Diese wurden dort zusammengebaut und gelagert. Neben diesen Tätigkeiten wurden viele der Kriegsgefangenen und Zwangsarbeiter auch in der umliegenden Industrie und Landwirtschaft eingesetzt. Nach dem Krieg wurden viele Gräber (auch Massengräber) gefunden, die im Zusammenhang mit der MUNA standen. Diese Funde wurden leider zeittypisch instrumentalisiert und so die ehrliche Aufarbeitung der historischen Fakten erschwert.
Der Abschluss mit der Vorstellung eigener Projekte und Werke fiel durch die Länge der Vorträge und die anschließenden Fragen recht kurz aus. Am wichtigsten waren, neben letzten Fragen, die nächsten Termine, wie zum Beispiel unsere Herbsttagung in Grabow am 24. Okrober 2026 und die Ortschronistentagung in Nordwestmecklenburg in Groß Stieten am 14. November 2026.
Wie stets bot die Tagung den 51 Teilnehmerinnen und Teilnehmern nicht nur interessante Einblicke in unterschiedliche Forschungsfelder, sondern auch Gelegenheit, eigene Erfahrungen zu teilen, Veröffentlichungen vorzustellen und miteinander ins Gespräch zu kommen. Die Fachtagung verband damit wissenschaftliche Impulse, praktische Anregungen und persönliche Begegnungen. Sie zeigte eindrucksvoll, wie vielfältig die Arbeit von Ortschronistinnen und Ortschronisten ist und welchen wichtigen Beitrag sie zur Bewahrung und Vermittlung des mecklenburgischen Kulturerbes leisten. Bedanken möchten wir uns an dieser Stelle bei allen Vortragenden und für die Organisation durch die Stiftung Mecklenburg, insbesondere bei Frau Ludwig für ihre unermüdliche Arbeit im Hintergrund! Wir freuen uns auf das nächste Wiedersehen.
(Text und Fotos: A. Adam)